Seit mehreren Jahren tanzt Iris Schummer in einer Rollstuhltanzgruppe und übernimmt dort auch öfters den Part des Rollifahrers. Ein halber Tag im Rollstuhl, im Zuge eines Projekts von "Kenne deine Rechte" hat nur einen leichten Überblick über die Auswirkungen und Einschränkungen einer Gehbehinderung gegeben.

 

Also verbrachte Iris im Spätsommer 2017 schließlich zwei Wochen im Rollstuhl. Da dieser Selbstversuch aber nur in der warmen Jahreszeit stattfand, komplettierte Iris ihre Versuchsreihe im Februar 2018, in dem sie nochmals zwei Wochen im Rollstuhl verbrachte. "...weil ich mich auch besser in meinen Tanzpartner oder künftige Schüler hineinversetzen wollte, habe ich einen eigenen Versuch gestartet" so Iris.

 

Erwähnenswert ist auch der vorangegangene Selbstversuch "Zwei Wochen blind", den Iris mit intensiver Vorbereitungszeit Ende 2015/Anfang 2016 durchgeführt hat. Hilfsmittel waren dabei ein Langstock (faltbar), ein Handy mit Sprachausgabe, eine Geldschablone und das PC-Programm JAWS.

 

Ein Vorteil dabei war Iris Interesse in der Kindheit für Fledermäuse. Dieses ging so weit, dass Iris sich durch schnalzen in der Umgebung zurechtfinden konnte. Im Zuge des Selbstversuchs konnte diese Echolotung, die auch von Blinden eingesetzt wird, Anwendung finden. Unterstützung erhielt Iris von Freunden, die selbst blind sind oder im Rollstuhl sitzen. Ihr Ziel war es, zum einen selbst eine Ahnung zu bekommen, welche Auswirkungen diese Einschränkungen haben, zum anderen, um die Menschen im Umfeld aufmerksamer zu machen, welche Barrieren und Herausforderungen es im Alltag von Personen mit Einschränkungen gibt.

 

Fazit aus Iris' Tagebuch:

"Es gibt noch sehr viele Barrieren, die uns gar nicht bewusst sind. Die meisten Barrieren haben wir im Kopf. Ich würde es Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gerne ermöglichen, selber Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln. Kinder haben eine natürliche Neugierde und würden gerne Fragen stellen. Wenn sie aber von klein auf hören, dass man bei einem Menschen mit Beeinträchtigung nicht hinschaut oder gar Fragen stellt, lernen sie, dass nichts Gutes ist. Dem würde ich gerne entgegenwirken und dahingehend Workshops entwickeln, die für die jeweilige Altersgruppe entsprechen. Ich hoffe, dass mir dabei meine Lehrämter dabei helfen können, dies auch gezielt umzusetzen. Menschen mit Beeinträchtigungen sollen für die Welt nicht etwas Fremdes sein, sondern dazugehören und besser verstanden werden. Man kann jemanden gut verstehen, wenn man sich ein Stück weit in ihn hineinversetzen kann und dafür wären auch solche Erfahrungen gut."

 

Kategorie: NATIONAL

Eingereicht von: Iris Schummer, September 2018.