In der Berufsschule für Handel und Reisen der Stadt Wien fand in der vorletzten Juniwoche die sogenannte "Nachhaltigkeitswoche" statt. Der Schulleiter lud Nico Langmann - österreichischer Rollstuhltennisprofi - ein, um den Schülerinnen und Schülern aus seinem Leben zu erzählen. In seiner sympathischen und lockeren Art erzählte er seine eigene Geschichte, wie es durch einen Autounfall im Alter von 2 Jahren dazu kam, dass er seine Beine nicht mehr bewegen konnte und seither vom Nabel abwärts gelähmt ist. Er erzählte von den vielen Behandlungen, die seine Eltern und er überall auf der Welt versuchten, und von dem Lernprozess, mit der Behinderung zu leben, sie anzunehmen und zu akzeptieren. Er erzählte aus seinem Leben als Schüler, was noch gar nicht lange zurück liegt, und wie er irgendwann beim Tennissport landete, der ihn so sehr begeistern konnte, dass er durch harte Arbeit zum Profi wurde. Die Teilnehmenden waren natürlich neugierig und stellten viele Fragen. Zum Leben als Tennisprofi, die Nico mit Youtube-Videos im Klassenraum sozusagen zum Leben erweckte, als auch sehr persönliche Fragen zum Leben mit Behinderung, die sehr ehrliche Antworten bekamen.

Nico beließ es nicht dabei, die Schülerinnen und Schüler innen sowie Lehrerinnen und Lehrer mit seiner Geschichte zu inspirieren, sondern spannte den Bogen zur Behindertenpolitik, was Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrende bedeutet, wo im Alltag Schwierigkeiten auftreten und dass es noch viele gesetzliche Diskriminierungen gibt, die es zu beseitigen gilt. Als die Schülerinnen und Schüler - viele von ihnen zum ersten Mal - von eugenischer Indikation hörten, also der Möglichkeit, eine Schwangerschaft bis zum Zeitpunkt der Geburt abzubrechen, wenn das Kind wahrscheinlich mit einer Behinderung zur Welt kommen wird, machte sich Entsetzen und Unverständnis auf den Gesichtern breit.

Als Abschluss stellte Katy das neue Kinderbuch "Unsere Welt. Unsere Zukunft" zu den SDGs (Sustainable Development Goals) vor und las eine der Geschichten den neuen Weltzielen vor. Die Geschichte handelte von Rafi aus Afghanistan, der durch eine Tretmine ein Bein verlor - kein seltenes Phänomen in dem Gebiet. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren durch die Geschichte, wie viel schwieriger das Leben mit einer Behinderung in ärmeren Regionen dieser Welt ist und was man als Einzelperson dazu beitragen kann, um das Weltziel der ausreichenden Gesundheitsversorgung für alle Menschen auf der Welt zu erreichen. Einer der Vorschläge aus dem Buch wurde gerade von einer anderen Klasse genutzt, nämlich sich für ein paar Stunden in einen Rollstuhl zu setzen und am eigenen Leib zu erfahren, wie wichtig Barrierefreiheit ist.

Alles in allem haben die Schülerinnen und Schüler viel Neues erfahren, die Neugier war bis zum Ende zu spüren und zwei Stunden verflogen wie im Nichts.